Erfahrungsbericht über den Kauf, die Haltung und die Erziehung Deutscher Doggen

Ein letzter gemeinsamer Spaziergang

Ein letzter gemeinsamer Spaziergang

Herrliches Wetter, tiefblauer Himmel, und trotzdem, alles ist grau in grau. Nero hat dank der gestern verordneten Tabletten fast die ganz Nacht durch geschlafen. Um 4 Uhr hatte er einen kurzen Anfall, der jedoch rasch wieder vorbei war. Es geht ihm scheinbar besser und ich vergönne es ihm vom ganzen Herzen. Vielleicht helfen die Medikamente doch, das Leben unseres Nero um noch ein paar schöne Wochen oder sogar Monate zu verlängern? Am Morgen frisst und trinkt er ausgiebig. Dann nehme ich die Leine um mit den Hunden ein Spaziergang zu machen. Nero freut sich riesig, ich habe Mühe, ihn zu beruhigen.

Wir gehen auf die Wiese, nicht weit und ganz langsam. Nero genießt die gute Luft, die Sonnenstrahlen, das Zusammensein mit uns. Laufen mag er nicht mehr, er hält sich immer neben mir auf. Besondere Freude habe ich auch mit Atlantis. Entgegen ihrer bisherigen Gewohnheiten ist sie zu Nero ganz sanft, läuft neben ihm, ist bei ihm, aber nie wild und ausgelassen. Ob sie wohl spürt, dass es Nero gar nicht gut geht?

Über eine Stunde sind wir auf der Wiese. Nero kann im Bach trinken, dann sitzen wir einfach nur im Gras, Nero drückt sich an mich, meine Gedanken sind bei unseren früheren Spaziergängen. Die schönen Stunden im Wald, die tiefe Harmonie zwischen uns beiden, das gegenseitige Vertrauen – ich kann es immer noch nicht fassen, dass es nie mehr so sein wird. Mir kommen die Tränen, ist doch egal, wer ein Haustier hat wird es verstehen, und wer es nicht versteht ist mir einerlei. Nero spürt meine Trauer, dicht drängt er sich an mich. Gut, dass er nicht versteht, welche Gedanken mich plagen. Sein Blick geht immer wieder Richtung Wald, unserem Wald. Warum Herrchen, warum gehen wir heute nicht dort hinauf? Es wäre wohl zu viel für sein krankes Herz.

Heute vor einer Woche noch sind wir oben gewesen, und dann von einem Tag auf den anderen. Ich frage mich immer wieder, ob wir diese Krankheit nicht hätten früher erkennen müssen. Mache mir Vorwürfe, doch es hat ja keinerlei Anzeichen dafür gegeben. Bis zuletzt ist Nero herumgetollt, war nie müde, war nie erkennbar krank. Ein kleiner Trost ist mir, dass laut Auskunft in der Tierklinik auch ein früherer Arztbesuch nichts geändert hätte. Gut für Nero war auch – so die Meinung der Tierärztin – dass er die kleine Atlantis als Begleiterin bekommen hat. Die hat ihn aufgepuscht, hat ihm geholfen, seine schwere Krankheit besser zu verkraften. Aber was hilft alles grübeln, letztendlich wird Nero viel zu früh über die Regenbogenbrücke gehen.

Ein wunderschöner Hund mit einem edlen Charakter, gutartig, verträglich, aber mit einem kranken Herzen. Wobei zu hinterfragen ist, ob nicht auch Hundevereine, Hunderichter und so manche Züchter dazu beitragen, dass es immer mehr kranke Hunde gibt. Was wird bei Ausstellungen nur Wert auf schöne Hunde gelegt, wer schaut aber auf Gesundheit, Charakter, Wesen, welchen Stellenwert haben diese? Ich kenne wirklich genug gute und äußerst seriöse Züchter. Aber jene Züchter, die nur auf das Geld aus sind, warum gibt es die noch? Warum können diese noch an Ausstellungen teilnehmen, werden von den Verbänden als Züchter empfohlen? Liebe Zuständige, überdenkt einmal Eure ganzen Vorschriften, stellt wieder den Hund in den Mittelpunkt, nicht sein Aussehen, nein, einfach den Hund als Lebewesen, als Freund von uns Hundehaltern. Wie viel Leid könnte vermieden werden.

Liebe Freunde, ich habe unendlich viele E-Mails und Gästebucheinträge erhalten. Bitteversteht, dass ich momentan nicht in der Lage bin, darauf zu antworten. Ich bin in ein tiefes Loch gefallen, ich bin unendlich traurig, in mir ist alles leer, in mir ist tiefe Verzweiflung, weil ich Nero nicht noch mehr helfen kann. Das Schreiben dieses Tagebuches ist für mich sehr sehr schwierig. Meine Gedanken sind immer bei ihm, der einen Stock tiefer im Wohnzimmer liegt und auf mich wartet. Diesen kleinen Freundesdienst möchte ich ihm, der mir sooo viel gegeben hat, auf keinen Fall versagen. Er braucht mich jetzt. Alles Andere ist jetzt unwichtig geworden.

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