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Bouvier des Flandres

Bouvier des Flandres

Der sanftmütige Riese, den die Natur mit einem mächtigen, eckigen Körper, buschigen Augenbrauen, einem kräftigen Schnauzbart und harschem, leicht zerzaustem Haar ausgestattet hat, kann auf den, der ihn nicht kennt, fast bedrohlich wirken. In Wirklichkeit ist der Bouvier des Flandres jedoch ein freundlicher, ausgeglichener und ausgesprochen ruhiger Hund, der mit seinem Herrn eng verbunden und ihm unverbrüchlich treu ergeben ist. Von all diesen Eigenschaften ist man sogleich überzeugt, wenn man in seine dunklen, intelligenten und sehr wachen Augen schaut. Der Bouvier des Flandres ist zweifellos der sympathischste unter den Treibhunden, die früher die Rinderherden führten und bewachten, während die Schäferhunde die Schafe und Lämmer hüteten. Aufgrund seines überdurchschnittlichen Witterungsvermögens, seines guten Charakters und seiner Körperkraft wurde der Bouvier des Flandres nicht nur als Hütehund, sondern auch als Zugtier verwendet. Früher wurde das Schlachtvieh auch über weite Entfernungen zu Fuß zu den Schlachthöfen gebracht. Diese harte Arbeit verrichteten Viehtreiber - und ihre Hunde halfen ihnen dabei. Diese Viehtransporte wurden bei jedem Wetter durchgeführt und dauerten manchmal mehrere Tage und Nächte lang. Zu den Hunden, deren Aufgabe es war, den Männern zu helfen, das Vieh zusammenzuhalten, gehörte auch der Bouvier des Flandres. Seine unternehmerische Intelligenz befähigte ihn, selbständig und ohne dass sein Herr ihm Befehle gab, seine Aufgabe zuverlässig zu erfüllen; ja, der Treiber musste nicht einmal immer dabei sein. Allein mit Hilfe seiner Körperkraft,

 durch Schieben und Schubsen, brachte er störrische Rinder zum Weitergehen oder holte ausgebrochene Tiere zur Herde zurück; er brauchte sie nicht in die Beine zu beißen. Aber mit der Technisierung der Landwirtschaft hatte der Bouvier des Flandres, der oft mit dem Riesenschnauzer oder dem Briard verwechselt wird, als Treibhund ausgedient. Man fand jedoch, da man seine außergewöhnlichen Qualitäten kannte, bald andere Verwendungsmöglichkeiten für ihn. Er ist heute ein bewährter Wachhund, dem man ein Wohnhaus ebenso unbesorgt anvertrauen kann wie einen großen Bauernhof. Weicher Herumtreiber wird sich schon mit einem solchen Ungetüm von Hund anlegen wollen? Da der Bouvier des Flandres sehr gelehrig ist, kann man ihn auch zum Blindenführhund ausbilden, und die Polizei setzt ihn bei der Spurensuche ein. Während des Ersten Weltkriegs erwarb er sich große Verdienste als Meldegänger und Sanitätshund, der Verwundete suchen halt Leider musste er für diese Tätigkeit teuer bezahlen, denn da er ständig auf den Schlachtfeldern sein musste, drohte seine Rasse ausgelöscht zu werden. Der Zweite Weltkrieg war dann fast genauso verhängnisvoll für ihn. Der sportliche Bouvier des Flandres liebt Wasser über alles, sei es in einem Fluss, sei es in der Badewanne. Er ist seinem Halter treu ergeben und eignet sich sehr gut als Familienbund. Fürsorglich bewacht er die Allerkleinsten "seiner Familie" und kennt im Spiel mit den größeren Kindern keine Müdigkeit und lässt sich geduldig alles von ihnen gefallen.

Zur Geschichte

Über seine Herkunft weiß man wenig. Laut manchen Fachleuten soll er aus der Kreuzung eines Beaucerons mit einem Griffon hervorgegangen sein. Andere zählen den Berger Picard, den Barbet und den Deerhound zu seinen Vorfahren. Anfang des 20. Jahrhunderts nannte man ihn in Flandern wie andere Treibhunde auch "Kuhhund", "Rinderhund" oder "Schmutzbart". Nachdem die Rasse während des Ersten Weltkriegs fast ausgestorben war, wurde sie 1923 wiederbelebt. Interessierte flämische Züchter verwendeten dazu einige Exemplare, die den Krieg überdauert hatten. Da es zum Streit gekommen war, ob der Bouvier des Flandres belgischer oder französischer Herkunft sei, klassifizierte man ihn als Französisch-Belgischen Treibhund.

Ratschläge für die Haltung:

Der Bouvier des Flandres sollte hauptsächlich im Freien gehalten werden. Er hat eine robuste Konstitution und wird selten krank. Die Rute wird gleich nach der Geburt kupiert, die Ohren im zweiten bis dritten Lebensmonat, wenn man will, dass er den Rassevorschriften entspricht. Sein raues, sprödes Haar  und seine feine, dichte Unterwolle striegelt man zweimal wöchentlich.

Standard

Allgemeine Erscheinung: wuchtig, gedrungen, kraftvoll, aber nicht plump wirkend; der Blick verrät Intelligenz, Energie, Arbeitseifer und Mut.
Größe: Rüde 62-68 cm; Hündin 59--65 cm.
Gewicht: Rüde 35-40 kg; Hündin 27-35 kg.
Kopf: durch den Schnauzbart eher massig wirkend, gut geformt, proportional zur Körpergröße; aufrecht getragen; Stop sieht ausgeprägter aus, als er ist; hohe Augenbrauen; breiter, kräftiger, starkknochiger Fang, der sich zur Nase hin verjüngt; gut entwickelte, breite, schwarze Nasenkuppe; offene Nasenlöcher; gut entwickelte Kiefer mit starken, weißen Zähnen; sehr breit gestellte Fangzähne; Scherengebiss.
Augen: mittelgroß, weder vortretend noch tiefliegend, möglichst dunkel; ovale Lidöffnungen; offener Blick.
Ohren: hoch angesetzt, zu dreieckigen Stehohren kupiert.
Hals: stark und muskulös, ohne Wamme.
Körper: kräftig; eckiges, quadratisches Format; gewölbte Rippen; bis zu den Ellbogen herabreichende Brust; kurze Flanken; kurzer, breiter, muskulöser Rücken; kurze, gut bemuskelte Nierenpartie; waagrechte Kruppe; lange, muskulöse, ein wenig schräggestellte Schultern.
Rute: auf etwa 5 cm gekürzt, hoch angesetzt und in Bewegung flott  getragen; angebotene Schwanzlosigkeit gilt nicht als Fehler.
Gliedmaßen: vordere gerade, starkknochig, gut bemuskelt, Ellbogen eng am Körper anliegend; hintere kräftig, muskulös, mit breiten, tiefreichenden Keulen und breiten, bemuskelten Sprunggelenken; keine Afterkrallen.
Pfoten: rund, stark, gut geschlossen, mit kräftigen, schwarzen Krallen und harten Ballen.
Haar: sehr reichlich, harsch, etwa 6 cm lang, zerzaust, aber weder wollig noch gelockt, am Kopf kurz, am Rücken hart und trocken; feine, dichte Unterwolle; dichter Schnauzbart; sehr dunkle Haut; hohe Augenbrauen aus aufstehenden Haaren.
Farbe: grau, braunschwarz, schwarz, gestromt, weißer Brustfleck zulässig.
Fehler: nicht aufrecht getragene Ohren; weiches, wolliges, zu langes, zu kurzes oder seidiges Haar; schlanker, langer Körper; helle Augen; abfallende Kruppe; glänzendes Fell.
Gründe für den Ausschluss: zweifarbige oder zu helle Augen; teilweise pigmentlose Nasenkuppe; standardwidriges Gebiss; schokoladenbraunes oder überwiegend weißes Haarkleid.

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